Was wir von Schildkröten lernen können

Weißt Du - es war nie ein Traum von mir für sehr viel Geld auf eine „einsame“ Insel zu fliegen und dort das blaue Meer und die Ruhe zu genießen. Das klang für mich mehr nach Folter als nach Urlaub. Aber meine Julia war schon einmal dort und hat mich davon überzeugen wollen, dass es mir gefallen würde. Bei einem Südtirolurlaub habe ich ihr dann auf einem Klettersteig versprochen, dass ich als Wiedergutmachung mit Ihr auf die Malediven fliege. Wiedergutmachung? Naja, angeblich habe ich den Klettersteig, auf dem wir uns befanden vorher etwas verharmlost, weil sie vermutlich sonst nicht mitgekommen wäre. Ich halte das für ein Gerücht...

Aber eins kann ich Dir sagen: Als ich hier auf den Malediven ankam und die ersten Schritte auf den Steg setzte, der vom Boot zu Insel führte, da war ich überwältigt. Jeder Gedanke in Richtung „Was machst Du da 12 Tage lang?“ war verflogen. Mit einem Mal. Ich habe dieses berühmte türkisblaue Meer mit dem herrlichen weißen Sandstrand gesehen und war überwältigt.

An den folgenden Tagen (die so unfassbar schnell rumgingen) bin ich etliche male um die Insel herumgeschnorchelt, habe hunderte verschiedene bunte Fische, ja sogar Haie, Riesenschildkröten und Rochen gesehen.

 

Das 3 Milimeter kleine Riesenmonster und ich


Eine Schildkröten-Situation kam schneller als ich dachte. Schon in der nächsten Nacht hatte ich die Wahl: bin ich Schildkröte oder bin ich maßlos genervt und mache mir die Zeit selbst schlecht?

Ein ungefähr 3 Milimeter kleines Riesenmonster hat mir den Kampf angesagt: Als ich gegen 1:30 Uhr wach wurde hatte diese kleine Riesenmonster bereits 4 heftige 3 Zentimeter große Fleischwunden bei mir hinterlassen (Männer wissen was ich meine - Frauen denken jetzt wahrscheinlich, dass ich wieder maßlos übertreibe).
Ja, es war eine Stechmücke - eine von den ganz fiesen, die man kaum hört und nur das Ergebnis ihrer blutrünstigen Tat sieht und spürt. Es juckte so heftig - das war kaum auszuhalten. Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten: Die erste Möglichkeit ist die, dass ich genervte Stimmung verbreite, die sich womöglich noch auf meine Julia überträgt.

Vorteile: eigentlich gar keine, ausser dass ich Anfangs vielleicht ein bisschen Aufmerksamkeit bekomme...

Nachteil: Das jucken wird dadurch nicht besser, Julia ist wach, ich bin schlecht gelaunt und kann noch schlechter wieder einschlafen.

Die zweite Möglichkeit ist: Schildkröten-Modus einschalten und so gelassen wie möglich damit umgehen.

Vorteile: Julia schläft weiter und kann mir am nächsten Tag Aufmerksamkeit geben, wenn ich berichte wie Tapfer ich meine Wunden selbst versorgt habe, ich erhöhe nicht meinen Blutdruck, was die Stiche noch mehr pochen lassen würde, ich kann realtiv schnell wieder einschlafen

Nachteile: sind mir nicht bekannt...

Also nahm ich den Schildkrötenmodus ein und lächelte erst einmal 60 Sekunden lang (ja, sieht blöd aus - war aber dunkel und mich konnte niemand sehen) Das machte schon einmal sehr gelassen! (Warum das funktioniert? Schau mal auf Youtube nach „Vera F. Birkenbihl - Lächeln“ sie erklärt es wirklich amüsant und wissenschaftlich)

Dann versorgte ich die Stiche mit einer Creme und legte mich wieder ins Bett. Juckte es noch? JA! Also sagte ich mir mehr als 20-30 mal hintereinander, dass die Creme so gut wirkt wie keine andere und dass das Jucken mit jeder Sekunde weniger wird. So war es auch. Kein Pochen und kein Jucken mehr. Ich bin wieder eingeschlafen. Das Gleiche passierte rund 3 Stunden später nocheinmal. Wieder konnte ich gut einschlafen. Am nächsten morgen erzählte ich Julia davon und sie meinte nur „Davon habe ich gar nichts mitbekommen, ich habe geschlafen wie ein Stein“
Absolut gelassen starteten wir also in den Tag.

 

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