Der Tag an dem ich alle meine MitarbeiterInnen feuerte

Ich war auf dem Rückweg von einem wichtigen Kundentermin, saß in meinem Auto und als ich kurz an einer Tankstelle hielt, um mir etwas zu trinken zu kaufen, checkte ich noch eben WhatsApp und Facebook.

Der erste Post, der mir angezeigt wurde war, dass einer meiner Mitarbeiter einen Highscore in dem online Spiel Candy Crush erreichte. Gepostet vor 8 Minuten.

Da es gerade 11:30 Uhr am Vormittag war, befanden wir uns also mitten in der Arbeitszeit und auch jedes Mal, wenn ich reinschaute konnte ich sehen, dass meine MitarbeiterInnen daueronline mit vermeintlichen Privatkram waren.

Als Geschäftsführer tat mir das natürlich ganz besonders weh. Ich sah, dass meine MitarbeiterInnen nicht annähernd die Leistung erbringen, die sie erbringen könnten und auch sollten. Ich hatte keine Lust mehr ins Büro zu fahren und entschloss mich erst einmal in einem Hotel einen Kaffee trinken zu gehen. Ich musste nachdenken.

Der erste Gedanke war: Was habeichfalsch gemacht?

Was kann ich besser machen? Warum beschäftigen sich meine MitarbeiterInnen mit belanglosem Facebook-Kram, WhatsApp-Nachrichten und nicht mit der Arbeit, die doch offensichtlich vor ihnen lag. Ständig musste ich Aufträge verteilen und sagen, wer was zu erledigen hat und Fristen wurden nicht eingehalten. Klar! Viel Zeit ging ja schließlich für surferei im Internet drauf. Es konnte doch nicht sein, dass sie die Arbeit nicht sahen oder nicht wussten, was zu tun ist.

Eins wusste ich ganz bestimmt: So wird es nicht weitergehen! Wenn ich mich dafür entscheide meine MitarbeiterInnen einfach zu entlassen, dann würde ich mich von ein paar wenigen nicht so ganz lukrativen Aufträgen trennen, mehr Automatisierung schaffen, den Telefondienst einfach outscourcen und es würde viel mehr Gewinn vom Umsatz übrig bleiben. Es würde mir vermutlich finanziell, sowie auch im Kopf besser gehen.

Doch war es das, was ich wollte?

Wollte ich wirklich wieder Einzelkämpfer sein, so wie ich es schon über vier Jahre gewesen bin?

Nein! Das war es auch nicht.



Ich war mirsicher, dass ich ein Team um mich herum haben möchte, dass ich mit Menschen zusammen arbeiten möchte, die die gleiche Vision und die gleiche Idee haben und vor allem auch das gleiche Ziel haben wie ich.

Und ich glaube genau darin steckte die Antwort.



Wusste mein Team wirklich genau wo ich hinwollte? Kannte mein Team meine Vision?



Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, konnte ich dies nicht mit einem bedingungslosen „JA“ beantworten.

Also beschloss ich, meine MitarbeiterInnen auf einen Schlag zu feuern Und sie sofort wieder als MitunternehmerInnen einzustellen.

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